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>> Hab Dich Ganz Doll Lieb <<

Horst Schwarz, der bekannte Kinder-, Jugend- und Fachbuchautor informiert Sie zu

 

Gefährliche Freundschaften im Netz


Das Alter der Kinder im Internet wird immer jünger.

Bereits 20 % der 6- bis 7-Jährigen, 25 % der 8- bis 9-Jährigen und 88 % der 16- bis 18-Jährigen verfügen über Smartphones und Tablets. Je älter die Kinder werden, umso mehr scheinen diese Geräte zu ihrem Alltag zu gehören. Dabei haben viele Kinder und Jugendliche kein Gefühl für die potenziellen Gefahren im Internet. Die Anonymität des Mediums ist zum Beispiel für Pädophile ideal, um in Kontakt mit Kindern zu treten. Wo noch vor 20 Jahren der "gute Onkel" mit Geschenken am Spiel- oder Fußballplatz Kinder ins Auto lockte, um sie zu missbrauchen, hat der selbe Abartige über Internet einen noch leichteren Zugang zu Minderjährigen.

 

Zwischen zehn und sechzehn Jahren werden täglich Kinder und Jugendliche im fünfstelligen Bereich Opfer von eindeutiger sexueller Anmache, schätzen Experten von Polizei und Jugendverbänden. Für Eltern ist es kaum vorstellbar, welche Verächtlichkeiten bis hin zu massiven Drohungen Kinder in Chatforen ausgesetzt sind.


Mit dem Begriff Cyber-Grooming (englisch: anbahnen, vorbereiten) wird das geplante Ansprechen von Personen im Internet mit dem Ziel der Anbahnung sexueller Kontakte bezeichnet. Es ist eine besondere Form der sexuellen Belästigung im Internet. Laut einer UN-Studie aus dem Jahre 2013 sind weltweit durchschnittlich 750.000 Pädophile täglich im Netz auf der Suche nach Kontakten zu Kindern. Vor allem mit Hilfe von Webcams oder sog. „Selfies“ (ein von sich selbst geschossenes Foto) können die Täter „Eintritt“ ins Kinderzimmer erlangen. 

 

Oft fordern sie die Kommunikation über private Nachrichten oder per Messenger wie WhatsApp und Skype fortzusetzen. In diesen, von anderen nicht einsehbaren, Bereichen fragen sie das Kind z.B. nach seinem Aussehen, Entwicklungsstand und Erfahrungen, übersenden pornografisches Material und fordern es auf, selbst erotisches oder pornografisches Bild- oder Videomaterial zu schicken oder sich vor einer Webcam zu präsentieren. ("Sexting": erotische Kommunikation mit Versendung eindeutiger Bilder ist ein zusammengesetzter Begriff aus "Sex" und "texting"). 
Mitunter gebrauchen sie später dieses Material dazu, die Kinder zu erpressen und unter Druck zu setzen, indem sie damit drohen, es zu veröffentlichen, wenn sie sich jemandem anvertrauen oder nicht erneut pornografisches Material senden. 


Oft versuchen die Täter auch, reale Treffen anzubahnen an Orten, die für das Kind interessant sein könnten, wie Schwimmbäder, Kino, Freizeitparks oder bei ihnen zu Hause, um einen Film anzuschauen. Die Kinder haben oft Hemmungen, sich Eltern oder anderen Vertrauenspersonen mitzuteilen, weil sie Sanktionen fürchten oder sich sogar selbst schuldig fühlen. 

 

Forscher der Freien Universität Berlin wollen herausgefunden haben, dass das Belohnungszentrum im Gehirn aktiv wird, sobald ein Mensch für einen Facebook-Beitrag viele „Gefällt mir“-Klicks bekommt. Das Medium Internet sorgt für ein schnelles Feedback und bringt damit vor allem Aufmerksamkeit für den User. Das Kind fühlt uneingeschränkte Anerkennung seiner Person, sobald es sich in der gewünschten Art und Weise darstellt. Kinder und Jugendliche sind deshalb besonders anfällig, mehr von sich preiszugeben, als gut ist.


Aufgabe der Eltern wäre es, die Medien für die Kinder durchschaubarer zu machen, und sie somit vor Missbrauch und Betrug zu schützen. 


Die Frage, ab welchem Alter Kinder ohne elterliche Kontrolle z.B. ins Netz gehen dürfen und Smartphones nutzen sollten, kann nicht grundsätzlich beantwortet werden, zumal es hierzu keine konkreten Untersuchungen gibt. Allerdings möchte ich behaupten, dass Kinder in einem Alter ab etwa acht Jahren die virtuelle und die reale Welt unterscheiden lernen. Einem jüngeren Kind ein Smartphone zu geben, halte ich für problematisch. 


Ein Filter oder eine Kindersicherung wäre empfehlenswert. Wenn ein Viertklässler uneingeschränkt frei in seiner Smartphone- oder Internetnutzung ist, sich also alles angucken und nutzen kann was er will, halte ich die Eltern für absolut fahrlässig. Kinder und Jugendliche sollten nach und nach an die virtuelle Welt herangeführt werden. Wenn es Eltern wichtig erscheint, dass ihr Kind mobil erreichbar sein soll, z.B. auf dem Schulweg oder unterwegs mit Freunden, geht dies auch mit einem normalen Handy. 


Da unser modernes Leben zunehmend von den verschiedensten Medien bestimmt wird, gehört die Medienkompetenz heute zu so wichtigen Schlüsselqualifikation wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Das bedeutet, dass Kinder und Jugendliche von Erwachsenen begleitet lernen müssen, sich in dieser digitalen Welt zurecht zu finden. 


Ob jemand mittlerweile abhängig ist, lässt sich allerdings nicht alleine daran festmachen, wie lange das Smartphone täglich benutzt wird. Entscheidend ist in dem Fall auch der Leidensdruck, der bei einem Internetentzug entsteht. Ein Anzeichen kann zum Beispiel sein, wenn reale Freundschaften wegen der Smartphone-Nutzung leiden. Problematisch wird es auch, wenn man sich nicht mehr auf Familie und Schule konzentrieren kann. 


Besonders kritisch ist es, wenn Kinder und Jugendliche durch die Smartphone-Nutzung gar nicht mehr lernen, sich längere Zeit auf lebenswichtige Dinge zu konzentrieren. 


Die ständige Ablenkung durch das Smartphone führt dazu, dass sich Schüler schlechter konzentrieren können, denn wer immer wieder in andere Welten abtaucht, um die es im augenblicklichen Tagesablauf nicht geht, könnte auf Dauer verlernen, sich längere Zeit auf wesentliche Dinge im Leben zu konzentrieren. 

 

Die Kids sollten lernen, ihr Nutzungsverhalten steuern zu können. Wie viel Zeit verbringe ich mit meinem Smartphone? Was möchte ich wirklich machen? Häufig stellen sie dann fest, dass sie doch lieber Sport gemacht oder Freunde getroffen hätten, als sich im Netz aufzuhalten.


In einer allgemeinen, bundesweiten Umfrage unter Zwölf- bis Neunzehnjährigen gaben 20% der Befragten selber an, schulische Schwierigkeiten zu haben und sogar 48% empfinden sich durch die ständige Präsenz im Netz abgelenkt. 24% sagen, dass sie in einem Dauerstress sind, weil sie ständig online sein müssten, um nichts zu verpassen.

 

Ein Schulleiter berichtete mir, dass Schüler während einer Klassenfahrt übermüdet am Frühstückstisch erschienen, weil sie sich die halbe Nacht über WhatsApp mit Freunden, die zu Hause waren, ausgetauscht hatten.


Simone, die beste Freundin Lauras sagt in meinem Roman LAURA IM NETZ: "Wer nicht online ist, nimmt nicht am Leben teil!" 


Und genau so sehen es viele Kinder und Jugendliche auch. Dabei ist es genau umgekehrt.
Verantwortungsbewusste Erwachsene sollten den jungen Menschen das Gegenteil vorleben, denn wer ständig online ist, nimmt nicht am Leben teil! 


"Hilf mir, es selbst zu tun!" sagte einst die Pädagogin Maria Montessori, und das heißt für Eltern bezüglich des Medienverhaltens Vorbild für ihre Kinder zu sein. 


Doch während die junge Mutter den Kinderwagen schiebt, hat sie ihr Smartphone am Ohr, und die Kleinsten nehmen schon wahr, dass dies etwas ganz Wichtiges sein muss.


Der bayerische Komiker Karl Valentin brachte es im letzten Jahrhundert auf die einfache Formel: "Wir brauchen Kinder nicht zu erziehen, sie machen uns sowieso alles nach."


Um das Risiko zu minimieren, ist es wichtig, dass Eltern mit ihrem Kind altersgerechte Online-Angebote auswählen, Sicherheitsregeln vereinbaren und sich dafür interessieren, mit wem das Kind online in Kontakt steht.

 

Was können Eltern tun, und worauf sollten Kinder achten?

 

Geben Sie Ihren Kindern Verhaltenstipps im Umgang mit sozialen Netzwerken:

 

  • Gib niemals eine Adresse oder Telefonnummer von dir, deinen Freunden oder Eltern an Unbekannte heraus! 
  • Verschicke an keinen, den du nur in einem sozialen Netzwerk kennengelernt hast, sofort dein Foto, vor allen Dingen kein Nackt-Selfie! - Es könnte sein, dass derjenige dein Bild im Internet ohne dein Wissen weiter verbreitet. 
  • Sei vorsichtig und nimm keine unbekannten Chatter in deine Freundesliste, z.B. bei einem Messenger, auf.
  • Du kannst einen Chatter, den du unangenehm findest jederzeit »ignorieren«, also sperren.
  • Verlasse dich auf dein Gefühl: Wenn dir etwas beim Chatten seltsam vorkommt, kannst du das Gespräch jederzeit ohne einen Grund abbrechen. Wenn gar nichts hilft, schalte das Gerät einfach aus.
  • Überlege dir, mit welcher erwachsenen Person deines Vertrauens du sprechen kannst, wenn dir etwas Unangenehmes wie z. B. Beleidigungen, Beschimpfungen oder Mobbing im Chat passieren sollte. 
  • Wenn du eine Chatbekanntschaft in der realen Welt treffen möchtest, besprich dies vorher mit einer erwachsenen Vertrauensperson oder nimm eine Freundin oder einen Freund mit. Kinder sollten auf jeden Fall ihre Eltern über ein geplantes Treffen informieren. Der Treffpunkt muss an einem öffentlichen Ort liegen, wo viele Menschen verkehren. Es kann immer die Gefahr bestehen, dass jemand ganz anderes auftaucht, als du erwartest hast.
  • Mach dir immer klar, dass derjenige, mit dem du chattest, viel älter als du sein kann oder in Wahrheit ein anderes Geschlecht hat, als angegeben ist.
  •  Ältere Chatter, das können Männer, aber auch Frauen sein, versuchen sich oft auf diese Weise mit unguten Absichten an Jüngere heranzupirschen: Stichwort Cyber-Grooming.
  • Wenn du dir Seiten im Internet anschaust die pornografisch sind, ist das nicht mutig, sondern ekelhaft. Falls dir ein Fremder etwas vor seiner Cam zeigen will, z. B. sein entblößtes Geschlechtsteil oder sich beim Onanieren, solltest du »Nein« sagen und ihn blockieren.
  • Gib nicht mit Sex- oder Gewaltseiten im Freundeskreis an! Das ist nicht cool, sondern geschmacklos. Respektiere es, wenn dein Freund oder deine Freundin sich bestimmte Internetseiten nicht anschauen möchte.
  • Wenn dir etwas im Internet Angst macht, dich anekelt oder auch wütend macht, sprich mit einem Erwachsenen, dem du vertraust, über diese Dinge.
  • Kinder sollten gemeinsam mit den Eltern besprechen, was ihnen beim Surfen und Chatten gefällt und ihnen auch ihre Lieblingsseiten und -chaträume zeigen.
  • Jugendliche ab 14 Jahren können schon eigenverantwortlich handeln, sich aber auch nicht genieren, wenn sie bei Unsicherheiten einen Erwachsenen befragen.


Und noch eins:


Opfer von sexuellem Missbrauch benötigen auf alle Fälle psychotherapeutische Hilfe zur Bewältigung der verletzenden Erfahrung, um für künftige Beziehungen wieder offen und fähig zu werden.

 
Vor allen Dingen sollten die Bezugspersonen (z. B. Eltern, Geschwister und Lehrer) der Kinder und Jugendlichen mit in die therapeutische Hilfe einbezogen werden, um ihnen die meist problematische Bewältigung zu erleichtern. 


Eine Behandlung kann allerdings erst erfolgen, wenn das Kind oder der Jugendliche nicht mehr in Gefahr ist, erneut missbraucht zu werden. Hierbei ist es von großer Wichtigkeit, Täter und Opfer voneinander zu trennen.

 

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In dem Roman LAURA IM NETZ erzähle ich eine fiktive Geschichte, die zwar nie passiert ist und dennoch wahr sein könnte. Sie ist nicht nur für Kinder ab der 5. Klasse, sondern auch für interessierte Eltern als Lektüre geeignet.

 

 LAURA IM NETZ, 10. Auflage, 9,95 €, Verlag Media-Arte, Nürnberg, ISBN 978-3-940918-96-3


Horst Schwarz, Kinder-, Jugend- und Fachbuchautor, Fortbildungsreferent, Stimme zahlreicher Hörbücher, studierte Sozialpädagogik und Theolo­gie, war viele Jahre Dozent an der Fachakademie für Sozialpä­dagogik in Nürnberg, ist Online-Berater und Jugendschöffe am Amtsgericht.

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