Sieben Kinder lächeln in die Kamera
Sieben Kinder lächeln in die Kamera
schulprobleme.info
schulprobleme.info

Lehrerin K.

Lehrerin K: Die nächste Fallschilderung als Brief an den Schulleiter stammt wieder aus unserem eigenen Familien-Archiv. Auch wenn es etwas mehr Text ist, geben wir ihn ungekürzt wieder, weil eine aktuelle Schilderung aus dem Moment heraus eine ganz andere Atmosphäre vermittelt, als ein Bericht aus der Distanz. (Wie üblich sind alle Namen einschließlich der Umstände verfremdet!)

 

Es darf beim Lesen nicht übersehen werden, dass es - wie bei allen zwischenmenschlichen Beziehungen - auch im Eltern-Lehrer-Verhältnis zwei Seiten gibt, von denen aus man einen Vorgang betrachten kann. Die hier betroffene Lehrerin wird die Situation sicher in einem anderen Licht sehen, eine andere Meinung dazu haben. Trotzdem sehen wir auf Seiten von uns Eltern die Pflicht, ja, die Verpflichtung, unseren Kindern gegen Willkür beizustehen.

 

Machen Sie sich selbst ein Bild:

 

Sehr geehrter Herr Direktor,

nachdem heute, am letzten Schultag, den Schülern der Klasse 7b eröffnet worden ist, dass sie, entgegen der eindeutigen Ankündigung von vor ca zwei Wochen, auch im kommenden Schuljahr Frau K. als Lehrerin haben werden, möchte ich in aller Form dagegen Protest einlegen!

 

Es geht nicht an, und ich werde nicht akzeptieren, dass eine Lehrkraft wie Frau K., die aus Ihrer Ablehnung gegenüber dieser Klasse und der Mehrzahl der Schüler, die ganze Zeit über kein Hehl gemacht hat, ein weiteres Jahr Gelegenheit erhält, die Kinder zu verunsichern und zu demütigen und in der Entfaltung ihrer schulischen Fähigkeiten zu hindern.

 

Ich kann zwar nicht für meine Miteltern sprechen, da in der Kürze der Zeit eine entsprechende Koordinierung nicht möglich war, aber die Art und Zahl der Vorwürfe, die ich gegen Frau und Herrn K. vorzubringen habe, reicht aus, um meiner dringenden Bitte, diese Lehrkraft in dieser Klasse abzulösen, Nachdruck zu verleihen.

 

Es liegt mir fern, behaupten zu wollen, die Klasse im allgemeinen und mein Sohn Heiko im besonderen seien Bilderbuchschüler. Das bestimmt nicht. Sie sind nicht besser, aber auch nicht schlechter als andere. Frau K. wirft den Schülern (und auch den Eltern bei den Elternversammlungen) dagegen bei jeder sich bietenden Gelegenheit vor, sie seien die schlechteste und undisziplinierteste Klasse. Was davon zu halten ist, zeigt sich, wenn man Schüler fragt, die von Frau K. heute oder früher unterrichtet wurden: Der Vorwurf an jede Klasse ist immer der gleiche. Was ist also davon zu halten? Nichts, außer dass die Kinder verunsichert werden.

 

Die ständigen Beschimpfungen sind stereotyper Teil des Unterrichtes. Das reicht von Allgemeinplätzen bis hin zu persönlichen Beleidigungen.

 

Einige explizite Beispiele:

 

Bei der Diskussion über eine Deutschlektüre äußerten sich die Schüler allgemein ablehnend über den Lesestoff. Mein Sohn Heiko meldete sich und sagte, dieser Stoff lese sich wirklich nicht so gut, worauf er von Frau K. die Antwort bekam, er sei wahrscheinlich nur zu blöd, das zu verstehen!

 

Ein anderes Mal sagte sie zu Heiko, dass er in diese Klasse gekommen sei, habe gerade noch gefehlt, auf ihn hätte sie gut und gerne verzichten können! (Diese Äußerung extremer, persönlicher Abneigung unterstreicht ihre Kommentare unter den Aufsätzen meines Sohnes und verleiht der Benotung ein besonderes "Gschmäckle"!) Meine Frau hat sich daraufhin bei Frau S., die bekanntlich in der Klasse Englisch unterrichtet, über unseren Sohn informiert und von ihr die Auskunft erhalten, Heiko sei eine Bereicherung für die Klasse.

 

Eine mehr allgemeine Äußerung, die ich aber gerade, siehe oben, auch auf meinen Sohn beziehen muss, war: Bei einigen fehlt wohl der Mindest-IQ!

 

Das sind einige der gravierendsten Ausfälle der Frau K. gegen meinen Sohn. Legion sind die kleinen Beleidigungen und Abfälligkeiten am Rande, über die Heiko schon gar nicht mehr berichtet hat.

 

Ich verwahre mich mit aller Entschiedenheit gegen ein derartiges Verhalten. Ist es ein Wunder, wenn die Kinder unter solchen Umständen aufsässig werden und dann das von Frau K. herbeigeredete Verhalten zeigen?

 

Es ist, und das möchte ich noch einmal betonen, nicht mein Sohn alleine, es ist die ganze Klasse, die von Frau K. gehaßt wird. Ihr Versuch, in der 2. Elternversammlung eine Art Tribunal über die 7b abzuhalten, ist gründlich daneben gegangen, es hat sich nämlich gezeigt, dass sie und nur sie ernsthafte Schwierigkeiten mit der Klasse hat. Die anderen teilnehmenden Lehrkräfte in Englisch, Französisch und Mathematik haben die Vorwürfe absolut relativiert. Ich behaupte sogar, ohne die von Frau K. erzeugte Atmosphäre des Unfriedens hätte es überhaupt keine Klagen gegeben. Die beiden Klassen, aus denen die 7b gebildet wurde, waren früher, das bestätigten uns mehrere Mütter, bei den jeweiligen Klassenlehrern recht beliebt. Im Gegensatz dazu ist Frau K. bei allen Schülern verschrien, davon haben wir uns selbst überzeugt. Und von ehemaligen Schülern kann man erfahren, dass ihre Vorwürfe (schlechteste Klasse der Schule, usw.) immer die selben waren.

 

Die einzig schöne Deutschstunde des ganzen Jahres, und da herrscht Einigkeit bei der 7b, war, als sie bei Herrn Braun Vertretung hatten. Vielleicht könnte sich Herr Braun mal dazu äußern, welchen Eindruck er von dieser Stunde hatte. Natürlich weiß ich, dass man in einer Stunde keinen verbindlichen Eindruck von einer Klasse erhalten kann, aber wenigstens das in einer Klasse steckende Potential wird deutlich. Aber was Frau K. recht ist - um die Unmöglichkeit der Klasse zu dokumentieren, sucht sie bei Gott und der Welt Unterstützung - kann uns nur billig sein. (Ein Highlight davon: Eines Tages wurde mein Sohn und ein anderer Schüler vor die Türe geschickt. Putzfrauen kamen vorbei und fragten, wer sie denn hinausgeworfen hätte. Der Kommentar spricht für sich: Ach die. Ihr Ärmsten!)

 

Aber Spaß beiseite. Leider unterlässt es ja Frau K. tunlichst, Klassenschnitte und /oder erreichbare Punktzahlen anzugeben. So kann ich nur die Vermutung äußern, die Sie nachprüfen könnten(!), dass die 7b in den Fächern, die vom Frau K. unterrichtet werden, unter Durchschnitt benotet ist. Ist es richtig, dass kein einziger Schüler belobigt wurde? Es ist undenkbar, dass eine Schulklasse, die genauso zufällig zusammengewürfelt ist, wie jede andere, soviel frecher, lauter, aufsässiger und in schulischen Belangen dümmer sein soll. Ich verwahre mich dagegen, dass immer die Schüler daran schuld sein sollen. Frau K. hat in der Elternversammlung ganz offiziell zugegeben, dass sie den Erdkundeunterricht als Disziplinierungsmaßnahme langweilig abhält. Das ist doch ein pädagogisches Armutszeugnis!

 

Ich werfe Frau K. weiterhin autoritäres, unpädagogisches Verhalten vor. Sie hat in der Elternversammlung zugegeben, was ihr die Kinder im Unterricht ständig vorhalten: Sie akzeptiert keine Diskussion. Und wenn die Klasse fragt, warum, "dann sage ich: Darum"! Wo bleibt da der Erziehungsauftrag der Schule, das beispielgebende Verhalten des Lehrers? In diesem Zusammenhang verwahre ich mich auf das Entschiedenste gegen Äußerungen von Frau K. über die Erziehung, der es der Klasse vom Elternhaus her mangle, und die sie gezwungen sei, nachzuholen.

 

Weiterhin möchte ich daran erinnern, dass ich bereits Anlass fand, mich vor Monaten über Frau K. zu beschweren. Wie sicher erinnerlich, weigerte sie sich, eine schriftliche Mitteilung von mir anzunehmen. Das passt alles zusammen. So etwas ist herabsetzend, beleidigend und einfach unverschämt! Und Feststellungen im Krankheitsfall wie: Du hast ja andauernd was anderes, stehen ihr nicht zu. Welches Kind ist schon gerne krank?

 

Zusammenfassend muss ich feststellen, dass sich Frau K. durch ihre Äußerungen vor der Klasse oder der Elternversammlung selbst diskreditiert. Ich hätte ja das Kapitel "Frau K." als abgeschlossen betrachtet, hätte sie tatsächlich die Klasse abgegeben (Es ist mir völlig egal, wen ihr im neuen Schuljahr kriegt. Ich bin froh, wenn ich Euch nicht mehr zu sehen brauche. Ich habe auch nicht mehr die geringste Lust, mit euch Unterricht zu machen. So ungefähr O-Ton K. kurz vor Schuljahrsende.).

 

Aber nachdem sie sich mit den Worten: Ich habe eine erfreuliche oder besser traurige Mitteilung. Ich unterrichte euch nächstes Schuljahr weiter, zurückgemeldet hat, habe ich mich veranlaßt gesehen, dagegen zu opponieren. In meiner Meinung bekräftigt hat mich ein Telefonat meiner Frau mit dem Schulrat, der unter anderem meinte, auch Schüler haben das Recht auf die Unantastbarkeit der Menschenwürde!

 

Ich möchte Sie daher noch einmal dringend bitten, Frau K. nicht mehr für die nunmehrige Klasse 8b einzusetzen! Aus dem oben Geschilderten geht, wie ich meine, eindeutig hervor, dass die Atmosphäre zwischen dieser Klasse und Frau K., nun, sagen wir, erheblich gestört ist. Da, zumindest nach meinen Informationen, die neuen Stundenpläne noch nicht festgezurrt sind, sollte hier noch eine Option offen sein.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Der Schulleiter sah sich außerstande, seine Lehrer anders einzuteilen. Allerdings hielt sich Frau K. künftighin Heiko gegenüber zurück, der uns noch oft erzählte, wen die Lehrerin jetzt gerade wieder ”im Visier” hatte.

 

Merke: Wenn wir uns heute über unsere Versäumnisse aus der Schulzeit unseres Sohnes unterhalten, dann dann ärgern wir uns darüber besonders, dass wir es bei Ereignissen wie den oben geschilderten beim Protest beließen! Und wenn die Schüler “schon immer” solchen Repressalien ausgesetzt waren, wie viele Miteltern verharmlosend meinen, heißt das nicht, dass es deshalb richtiger wird. Müssen wir denn die Lehrer unserer Kinder daran erinnern, dass die Würde des Menschen unantastbar ist!? So sieht es jedenfalls unser Grundgesetz...

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© pflugweb.de / Texte unterliegen - soweit nicht anders angegeben - dem Copyright von Peter Pflug, Salem. Veröffentlichung nur mit Quellenangabe. Die Rechte an den Bildern liegen bei den verschiedenen Autoren.