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Mechthid Pflug
Familien-, Paar- und Lerntherapeutin

Rechnen

 

Rechnen lernen mit dem Fingermuster

Wenn wir feststellen, daß unser Kind beim Rechnen im Zahlenraum bis 10 Schwierigkeiten hat, können wir ihm mit dem Fingermuster helfen, den abstrakten Rechenvorgang zu begreifen.

Einer der wesentlichsten Punkte für die praktische Arbeit mit Kindern ist für uns die zwingende Forderung an uns selbst, daß es den Kindern Spaß machen muß:


    Am Anfang ist Spiel alles und später ist alles Spiel!


Wenn Sie Ihrem Kind helfen wollen, sollten Sie sich ebenfalls diesen Anspruch zu eigen machen und Ihre Arbeit mit ihm absolut spielerisch angehen lassen. Solange Sie das schaffen, solange wird Ihr Kind gerne mit Ihnen üben. Später ist dann aus der Arbeit wie von selbst Spiel geworden! Also: Playtime!

Festlegen der Fingermuster

Zeigen Sie Ihrem Kind die Zahlen von eins bis fünf mit einer Hand. Nach unserer Erfahrung wird von nahezu allen Kindern das gleiche Fingerschema verwendet. Abweichungen sind kommentarlos zu akzeptieren, solange nicht z.B. für die Eins mal der Daumen und mal der kleine Finger verwendet wird.

Fing1Fing2Fing3Fing4Fing5



Das Finger-zeigen-Zahlen-Spiel

Ihr Kind darf eine Zahl von eins bis fünf nennen, und Sie zeigen sie mit der rechten Hand gemäß obigem Schema. Das muß natürlich flott gehen, und Ihr Kind muß Ihre gezeigten Finger überprüfen. Lassen Sie sich ab und zu bei Fehlern ertappen, Sie testen damit, ob Ihr Gegenüber auch aufpaßt. Das Ganze geschieht fünf mal hintereinander. Dann wird gewechselt. Natürlich müssen Sie mitmachen, sonst ist es ja kein Spiel!

Dann sind Sie an der Reihe, Zahlen zu nennen, und das Kind hebt die entsprechenden Finger. Gespielt wird um Streichhölzer (oder Spielsteine, oder...) Für jeden Treffer bekommt jeder Spieler ein Streichholz, bei Fehlern muß eines zurückgelegt werden. Völlig falsch wäre es, das Kind um jeden Preis gewinnen zu lassen, es lernt ja erst. Wenn es einmal sicherer geworden ist, kann man ihm zum Ansporn schon auch mal bewußt, aber unauffällig den Vortritt lassen.

Sobald es möglich ist, gehen wir in den Zahlenraum bis zehn, das heißt natürlich, wir nehmen beide Hände. Wenn Sie merken, daß irgendein Schritt Streß auslöst, dann reduzieren Sie Ihre Anforderungen: Das Kind kann z.B. selbst eine Zahl bis Zehn sagen und sie mit den Fingern zeigen. Bei zunehmender Sicherheit können wir zur obigen Praxis zurückkehren und die zu zeigenden Finger vorgeben.

    Merke: Es kann nicht vorausgesetzt werden, daß das Kind bereits am ersten Tag das Rechnen bis 10 beherrscht. Dazu ist der ganze Lernvorgang zu komplex.

Übergang zum selbständigen Rechnen

Nachdem unser Kind verläßlich im Zahlenraum bis zehn alle Finger zeigen kann, kommt der erste Schritt zur Abstraktion. Was wir bislang vor Augen hatten, soll sich unser Kind teilweise vorstellen: Wir spielen jetzt mit
geschlossenen Augen! Dieser Schritt kann sofort entfallen, wenn er unserem Kind keine Mühe bereitet, wir gehen mit der Bemerkung “das ist ja zu einfach für dich” zum nächsten Schritt.

Das Kind
darf noch so lange auf die Finger “blinzeln”, wie es das für nötig hält. Der eigene Ehrgeiz wird dafür sorgen, daß das bald anders geht.



Das Blinde-(Zahlen)-Kuh - Spiel:

Fing2Fing5

Aufforderung an das Kind:
“Stelle dir sieben vor!”

Mit geschlossenen Augen stellt sich das Kind das Fingermuster vor und sagt “drei” (die Ergänzung bis zehn)!

In Annäherung an die schulischen Rechenaufgaben soll Ihr Kind danach sagen: “Sieben plus drei gleich zehn!”



Wir rechnen über die 10 hinaus: Meine Hände - deine Hände!

Wenn wir unserem Kind den Zahlenraum bis zehn erschlossen haben, kommt eine Hürde, die viele Erwachsene gar nicht als solche empfinden: Der Sprung über die Zehn!

Wir gehen einfach so vor wie oben beim Wechsel von fünf auf zehn. Unserem visuell lernenden Kind müssen wir eine optische Hilfe bieten: Sie legen Ihre Hände mit dazu, im Sommer kann es die eigenen Zehen benutzen!


Fing5Fing5Wir beginnen ganz einfach, Sie legen Ihre Hände auf den Tisch und sagen “20”. Ihr Kind soll die eigenen Hände dazu legen.

    Fing5Fing5Dann sagen Sie “15”, und Ihr Kind muß eine Hand wegnehmen. Bleiben Sie bei ganz einfachen Beispielen, Ihr Kind soll ein Gefühl der Sicherheit bekommen. Vergessen Sie keinesfalls zu loben! Nie. Schon ein “prima” oder “guuut” reicht. Dieses Eingewöhnen in den Bereich über zehn können wir spielerisch auflockern. Sie legen wechselweise mit Ihrem Kind die flachen Hände übereinander und das Kind sagt “20”, Sie ziehen eine Hand weg, das Kind sagt “15”, Sie legen eine Hand drauf...., Sie ziehen beide Hände weg....

Wir haben die Erfahrung gemacht, daß solche Spielchen begeistert angenommen werden, mögen sie für Erwachsene noch so albern erscheinen!

Der nächste Schritt

Sie halten 8 Finger hoch und sagen “zwölf” und erwarten natürlich “4” zu hören. Die beiden Hände Ihres Kindes liegen als “Hilfsmittel” auf dem Tisch. Obwohl Ihr Kind die Menge 8 jetzt bereits kennt, wird es vermutlich beim ersten Finger anfangen zu zählen, bis es beim 12. angelangt ist. Das wird so lange gehen, bis es die nötige Sicherheit gewonnen hat. Dabei ist wichtig, daß Sie die Anforderungen nur langsam steigern, also nicht gleich über die 12 oder 13 hinausgehen!

 

Haben Sie Geduld und verzweifeln Sie nicht, wenn Ihr Kind anfangs immer wieder anfängt, bei 1 abzuzählen. Bei einer schweren Dyslexie ist das nichts Ungewöhnliches.

Wenn Sie selbst über viel Phantasie verfügen, dann lassen Sie sich von unseren Vorschlägen nicht einengen, vermitteln Sie Ihrem Kind das fehlende Wissen so, wie es seinen Auffassungsmöglichkeiten entspricht.

Ihr Kind wird dieses Lernen als liebevolle Zuwendung und nicht als “büffeln” empfinden. Sie können überall spielen: In der Straßenbahn, im Wartezimmer beim Arzt, in den fünf Minuten bis die Kartoffeln kochen, einfach immer. Aber Sie sollten sofort damit aufhören, wenn Sie merken, ihr Kind hat genug.

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