Mein Kind paßt im Unterricht nicht auf
Der Vorwurf, das Kind passe im Unterricht nicht auf, ist, wenn er vom Lehrer kommt, kaum zu widerlegen und wird von den Eltern in aller Regel geglaubt.. Wenn wir - im Sinne einer Problemlösung - weiterkommen wollen, müssen wir diese Äußerung genau so kritisch unter die Lupe nehmen wie jede andere auch.
Es ist nur allzu menschlich und selbst bei Lehrern nicht auszuschließen, daß jeder das eigene Vorgehen, das eigene Verhalten, die eigene Meinung i.d.R. als richtig ansieht. Somit wird auch jeder Lehrer die Art, wie er seinen Unterricht präsentiert, als richtig und den Umständen angepaßt, ansehen.
Nun fällt also dem Lehrer während des Unterrichtes Ihr Kind auf, das mal träumend aus dem Fenster schaut oder mit seinem Nachbarn schwätzt. Brächten wir es fertig - bleiben wir objektiv - den eigenen Vortrag darauf zu überprüfen, ob er vielleicht langweilig oder gar unverständlich ist? Und welcher Lehrer stellt seinen Unterricht um, wenn er auf ein paar oder sogar auch auf lauter unaufmerksame Schüler blickt? Welcher Lehrer sagt zu den Eltern: Ihr Kind paßt nicht auf, aber das liegt daran, daß ich einen langweiligen Unterricht mache?!
Niemand wird abstreiten können, daß sich Schüler - selbst während interessanter Unterrichtsphasen - ablenken lassen, auch das ist nur menschlich. Allerdings behaupten wir: Je abwechslungsreicher der Unterricht gestaltet wird, desto größer ist die Aufmerksamkeit, die die Schüler ihrem Lehrer widmen. Und wer kennt nicht die Aufnahmen von selig schlummernden Volksvertretern während wichtiger Debatten, angefangen vom Gemeinderat bis hoch zum Bundestag! Warum sind diese Leute nicht bei der Sache? Nicht nur Kinder langweilen sich bei ermüdenden Themen oder langweiligen Vorträgen!
Fordern wir von Schülern mehr Selbstdisziplin, als von unseren Volksvertretern? - Was ist nun wirklich von dem Vorwurf zu halten, unser Kind paßt in der Schule nicht auf, wenn wir die Meinung des Lehrers wegen Befangenheit relativieren?
Wenn unser Verhältnis innerhalb der Familie von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist, können wir unseren Sohn, unsere Tochter direkt fragen, andernfalls müssen wir uns den Tatsachen eben auf einem Umweg nähern. In einer streßfreien Situation von eigenen Erlebnissen aus der Schulzeit erzählen und vielleicht mit der Bemerkung abschließen: “Da hoffe ich doch, daß es euch besser geht, als mir damals”. Selbst wenn die Antwort lautet: “nein, ich passe nicht immer auf”, sollten wir uns jeglicher verärgerten Reaktion enthalten und nach den Ursachen suchen!
Wenn wir körperliche Probleme, wie z.B. Kurzsichtigkeit oder Schwerhörigkeit ausschließen können (im Verdachtsfall überprüfen lassen!), dann bleiben als ernstzunehmende Ursachen eigentlich (neben ADS) nur noch langweiliger Unterricht oder psychische Probleme unseres Kindes übrig. Wenn die Schuld am Lehrer liegt, sind die Chancen auf Änderung gering - lesen Sie hier in der Homepage an entsprechender Stelle nach. Sollte Ihr Kind psychische Probleme haben, versuchen Sie sie einzugrenzen (bitte ganz einfühlsam!) und suchen dann noch einmal im Online-Check nach möglichen Ursachen für die Schulprobleme Ihres Kindes.
Abschließend ist noch auf einen wichtigen Punkt hinzuweisen: Wenn Sie früher, vor Beginn der Schulzeit, Ihr Kind als sehr schlau, pfiffig, allen Aufgaben gewachsen, eingestuft hatten und jetzt enttäuscht feststellen, daß es den Erwartungen bei weitem nicht gerecht wird, daß es nicht aufpaßt, faul oder vielleicht überfordert erscheint, dann sollten Sie in Betracht ziehen, ob es nicht vielleicht UNTERfordert ist - es wäre nicht das erste Kind, das auf diese Weise reagiert!
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Merke: Wenn Sie bei Ihrem Kind Aufmerksamkeitsdefizite feststellen, sollten Sie zunächst gelassen reagieren! Man ist nicht jederzeit gleich gut drauf. Sobald Sie diese Feststellungen aber häufiger machen, sollten Sie hellhörig werden. Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Kind und zwar in aller Ruhe. Zeigen Sie Verständnis, und verhalten Sie sich so, wie Sie es in Ihrer Schulzeit gerne gehabt hätten!
Und auch hier gilt: Die grundlegenden Fertigkeiten, die in den ersten Schuljahren vermittelt werden, sind später nur sehr schwer (Rechnen), wenn überhaupt (Deutsch) nachzuholen, da ja immer noch parallel der normale Lernstoff zu bewältigen ist. Und Lücken, die in späteren Jahren zum Beispiel in Englisch entstehen, können nur mit aufwendigem Nachlernen geschlossen werden. Das ist eine Erkenntnis aus jahrzehntelanger Erfahrung!
Was sie im Einzelnen machen können, erklären wir Ihnen an anderer Stelle.
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