Lehrer-Problematik
Leider wird der Lehrer als Problemursache in der Öffentlichkeit nicht ausreichend genug thematisiert. Es muß überall in Deutschland möglich werden, die Leistungen eines Lehrers objektiv zu diskutieren. Wir kennen genügend Beispiele, die die Berechtigung dieser Forderung unterstreichen. Die Auflehnung gegen einen unfähigen Lehrer ist für die betroffenen Schüler und Eltern wie der Kampf gegen Windmühlenflügel. Eine der Konsequenzen ist vor allem auch die Polarisirung der Meinung und zwar zum Negativen hin. Wir kennen aus eigenem Erleben und aus den Berichten unserer Schüler zahlreiche engagierte und gute Lehrer, aber die positiven Auswirkungen, die von diesen Pädagogen ausgehen, werden von den negativen Eindrücken der “anderen” zunichte gemacht. Zurück bleibt das - zugegeben subjektive - schale Gefühl, “die” Lehrer seien eines der Schulprobleme. Daß diese Behauptung zumindest auf die im Folgenden geschilderten Fälle zutrifft, das zeigen die Schilderungen.
Nachdem der Lehrer im statistischen Mittel auch kein anderer Mensch ist als der Durchschnittsbürger, ist die Wahrscheinlichkeit, daß Fehler vorkommen, genauso häufig wie bei der Allgemeinheit. Und so wie wir das Recht haben, eine Kassiererin, einen Finanzbeamten oder einen Handwerker auf einen Fehler hinzuweisen, genauso haben wir das Recht, dies bei einem Lehrer zu tun.
Welchen Anspruch können wir an einen Lehrer stellen? Zunächst den, daß er den Schülern all das vermittelt, was später von ihnen in irgendwelchen Klassenarbeiten oder Abschlußprüfungen verlangt wird. Diese Wissensvermittlung geschieht auf individuelle Weise, abhängig von den Absichten und Fähigkeiten des betreffenden Lehrers. Allerdings, und hier setzt unsere Kritik an, gibt es sehr viele Lehrkräfte, denen es völlig an der Fähigkeit mangelt, irgend einen Sachverhalt überhaupt verständlich zu machen. Da fallen dann Worte, wie: Paßt genau auf, ich erkläre das nur ein Mal! Oder: Wer es immer noch nicht verstanden hat, kann es ja im Grammatikbuch auf Seite xy nachlesen!
Jeder Schüler hat seine eigene Art, neue Informationen zu speichern, d.h. zu lernen. Es sollte von einem Lehrer erwartet werden können, daß er seinen Schüler Gelegenheit gibt, diese neuen Informationen auf die ihnen gemäße Art zu verarbeiten. Wenn bei der Lernkontrolle, z.B. einer Klassenarbeit, kein befriedigender Schnitt erreicht wird, dann ist das nicht Schuld der Schüler, sondern des Lehrers. Er hat das Ziel nicht erreicht, den abgefragten Stoff auf die Art und Weise zu vermitteln, die der Auffassungsgabe der Klasse gerecht wurde. Es ist unverständlich, ja geradezu empörend, mit welcher Beharrlichkeit in solchen Fällen von verschiedenen Seiten versucht wird, das Klassenniveau, z.B. mit Zusatzstunden, zu heben und es niemand wagt offen auszusprechen, daß hier ein Versäumnis des Lehrers vorliegt! Wenn ein Bäcker zu kleine Brötchen bäckt, wird doch auch niemand den Brötchen die Schuld geben! Aber da die Lehrer eine mächtige Lobby haben - im Schulamt, im Oberschulamt, im Kultusministerium, im Parlament, überall sitzen Lehrer an verantwortlicher Stelle - wird sich da so schnell nichts ändern.
Für die Eltern, deren Kind offensichtlich unter einem Lehrer leidet, darf Duldung untragbarer Zustände keinesfalls ein Thema sein! Der erste Schritt ist ein Gespräch mit diesem Lehrer.
Wenn Sie ihr Kind immer ernst genommen haben, ihm jederzeit zuhörten und ihm vor allem immer Vertrauen schenkten, dann haben Sie eine Basis, die Ihnen gestattet, mit dem Lehrer “auf Augenhöhe” zu argumentieren! Ein probates Mittel, Eltern zu verunsichern, ist, irgendwelche Vorwürfe in den Raum zu stellen, von denen anzunehmen ist, daß Kinder “so etwas” ihren Eltern nicht erzählen würden. Wir kennen Beispiele dafür. Wir kennen aber auch Eltern, die solche Vorwürfe ignorieren konnten in der Sicherheit, darüber hätte mich mein Sohn / meine Tochter informiert! Wenn Sie wissen, was in der Klasse, in diesem Fach “abgeht”, erst dann können Sie fundiert diskutieren und - vielleicht - etwas für Ihr Kind erreichen.
Falls dies nicht möglich ist: Gehen Sie ganz sachlich vor, überlegen Sie, wie wichtig ist das betreffende Fach für mein Kind, kann eine schlechte Note das Weiterkommen gefährden? Wie lange unterrichtet dieser Lehrer noch die Kinder, dieses oder auch noch nächstes Schuljahr? Kann man eventuell mit Nachhilfe der Sache die Spitze nehmen? Oder ist die ganze Angelegenheit schon so verfahren, daß ein Klassen- oder gar Schulwechsel erforderlich ist. Stehen Sie unbedingt zu Ihrem Kind, strafen sie nicht, schenken Sie ihm statt dessen Vertrauen. Sie brauchen auch keinesfalls den Gang zum Rechtsanwalt zu scheuen.
Wir möchten diesen Abschnitt mit einer Äußerung aus einer Tageszeitung abschließen. Im Jahr 2005 besuchte eine Gruppe finnischer Lehrer im Zusammenhang mit der Pisa-Studie die hiesigen Schulen. Nach der Abschlußveranstaltung fragte der Reporter den Leiter der Gruppe, welchen Eindruck er vom deutschen Schulsystem gewonnen habe. Die Antwort ist bezeichnend: Ich glaube, die deutschen Lehrer mögen ihre Schüler nicht!
Zu unseren Fallbeispielen kommen Sie hier!
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