Mein Kind kann nicht lernen, weil ich es mit meinen Problemen belaste
Wie haben Sie eigentlich gemerkt, daß Sie Ihr Kind mit Ihren eigenen Problemen belasten? Diese Erkenntnis gewonnen zu haben, ist schon der erste Schritt in die richtige Richtung.
Was bedeutet es, wenn Sie Ihr Kind an Ihren Sorgen teilhaben lassen? Zunächst ist es keine (positive) “Teilhabe” sondern eine Belastung im wahrsten Sinne des Wortes. Sie legen mit Ihren Sorgen Ihrem Kind eine schwere Last auf, für die es i.d.R. schlichtweg zu jung ist! Welche Sorgen sind so wichtig, so drückend, daß Sie sie mit einem anderen Menschen teilen müssen? Zerrüttung der Partnerschaft, schwere Krankheiten, existentielle Geldsorgen, und was es da sonst noch gibt. Wenn Sie jemanden brauchen, dem Sie Ihr Herz ausschütten können, suchen Sie sich unbedingt einen erwachsenen Ansprechpartner!
Nehmen wir folgenden realen Fall, der uns geschildert worden ist: Ein 14-jähriges Mädchen ist die “einzige Vertraute ihrer Mutter, ihre Freundin”. Bei ihr schimpft sich die 40-jährige über ihren Mann, den leiblichen Vater des Mädchens aus (mit dem sie nach wie vor zusammenlebt). Sie macht ihrem Ekel über sein sexuelles Verlangen Luft (“ich wollte, er wäre tot!”) und bringt ihre Tochter im Lauf der Zeit soweit, daß diese ernsthaft überlegt, wie Rattengift zu beschaffen sei...
Glücklicherweise sind aus diesem psychischen Mißbrauch - anders kann man das Verhalten der Mutter nicht nennen - keine strafrechtlichen Folgen entstanden. Das Verhältnis des Mädchens zu beiden Elternteilen ist seitdem zerrüttet, und geblieben ist der inzwischen erwachsenen jungen Frau mit eigenen Kindern eine tiefe Abneigung zur Mutter (“ich war nur ihr seelischer Mülleimer”) mit gelegentlichen Haßattacken. Die schulischen Probleme, die sich seinerzeit ergeben hatten, sind demgegenüber heute in den Hintergrund getreten.
Wir sollten immer bedenken, daß Kinder bezüglich der Probleme Erwachsener eine andere Sichtweise haben. Ein Erwachsener wird z.B. die Frage einer Trennung vom Ehepartner immer anders sehen als das Kind der beiden! So schlimm für eine Frau die Trennung und das unvermeidliche Ende der Ehe sein mag, so trägt sie doch gleichzeitig die Hoffnung auf einen Neuanfang unter besseren Voraussetzungen in sich. Für das Kind zerbricht eine Welt! Selbst wenn es ständigen Streit erleben muß, ist für das subjektive Empfinden des Kindes eine Trennung der Eltern die schlechteste aller Möglichkeiten, weil ein komplettes Elternpaar für das Kind die heile Welt bedeuten.
Wenn wir unser Kind nun an unseren Problemen beteiligen, wird es ständig in höchster Anspannung sein und von Anfang an das Schlimmste fürchten. Heutzutage gibt es wohl kein Kind mehr, das nicht einen Freund, eine Freundin hat, deren Eltern geschieden sind und die die schrecklichsten Geschichten darüber erzählen. Und sobald bei Ihrem Kind der erste Gedanke an eine mögliche Scheidung auftaucht, wird es unter den schrecklichsten Vorstellungen leiden!
Nicht viel anders sieht es mit schweren Krankheiten aus. In letzter Konsequenz steht für das Kind der Verlust eines geliebten Menschen. Natürlich dürfen wir unsere Kinder nicht unvorbereitet lassen, aber unverantwortlich wäre es, sie von vorne herein mit unseren Sorgen zu belasten.
Wenn die Probleme vorherrschend und unübersehbar werden und Sie keinen Ausweg finden, ist es immer noch Zeit, das Kind in einem altersgerechten Umfang zu informieren. Wenn Sie nicht wissen, wie Sie das machen sollen, dann wenden Sie sich an eine karitative Organisation, dort wird man Ihnen in der Regel weiterhelfen können.
Natürlich erzeugt das eben Geschilderte bei unserem Kind emotionalen Streß mit allen seinen Konsequenzen. Vielleicht hilft es Ihnen punktuell, wenn sie nachlesen, was wir dazu vermerkt haben.
|
Merke: Es gibt in unserer Massengesellschaft sehr viele Menschen, die erstaunlich einsam sind. Nicht nur alleinstehende, alte Witwen oder ausgegrenzte Obdachlose, nein, Menschen wie du und ich, Menschen mit Familien und Freunden, denen wir tagtäglich am Arbeitsplatz begegnen. Und trotzdem haben sie niemanden, dem sie einfach einmal das Herz ausschütten könnten, vom Ärger mit dem Partner, vom Streit mit der Schwiegermutter, von der Angst vor der Krankheit berichten können. Bedauernswerte Menschen.
Mitleid ist allerdings dann nicht mehr angebracht, wenn diese Menschen ihre Kinder mit ihren Problemen belasten! Kinder können sich nicht wehren, nehmen das, was sie vom Menschen ihres Vertrauens erfahren, für bare Münze, merken nicht, daß man ihnen nur die subjektive Wahrheit erzählt, werden auf eine Weise belastet, die ihr ganzes späteres Leben beeinflussen kann, von den aktuell hervorgerufenen Schulproblemen ganz zu schweigen.
Es ist unverzeihbarer Egoismus, Kinder mit den persönlichen Problemen zu belasten!
|
|
|