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Mechthid Pflug
Familien-, Paar- und Lerntherapeutin

Mein Kind ist schlichtweg faul

Gestatten Sie die Frage: Wer sagt das? Ist das IHRE Überzeugung? Wer hat Sie darauf gebracht, solche Meinung zu haben?

Lassen Sie uns die ganze Angelegenheit logisch angehen! Seit langen Jahren beobachten wir Kinder mit Schulproblemen und haben dabei den Eindruck gewonnen, daß ausgesprochene Faulheit eine Eigenschaft ist, die frühestens mit der Pubertät auftaucht. “Faul sein wollen” ist nach unserer Einschätzung die bewußte Entscheidung zwischen den beiden Möglichkeiten, eine geforderte Leistung zu erbringen, bzw. in voller Berücksichtigung der abzusehenden Konsequenzen die geforderte Leistung zu verweigern! Bei einem Grundschüler ist solche Haltung nicht ganz vorstellbar.

Nachdem SIE, als Vater oder Mutter, über Ihr Kind “den Stab brechen”, es sei einfach faul, sollten Sie das auch entsprechend begründen können. Natürlich haben wir auch “faule” Schüler erlebt, aber sie waren doch eher die Ausnahme!

Was kann also einen Erwachsenen dahin bringen, ein Kind als “faul” zu bezeichen? Das ist aus erwachsener Sicht recht einfach zu beschreiben: Er/sie ist zu bequem, die gestellten Aufgaben zu erfüllen. Sind Sie sicher, daß Ihre Anweisungen immer ausreichend klar formuliert sind, daß Ihr Kind dasselbe darunter versteht, wie Sie?

Nehmen wir einen ganz typischen Fall: Die Mutter sagt: Bevor du spielen darfst, mußt du noch die neuen Vokabeln lernen! Bei einer späteren Lernkontrolle durch die Mutter (oder nach einem Vokabeltest) zeigt sich jedoch, daß nur ein paar Vokabeln gekonnt werden! Das Urteil lautet ganz klar: Faulheit.

Glauben Sie der Entschuldigung Ihres Kindes, es habe doch gelernt? Fragen Sie, wie es denn gelernt habe? Oder schimpfen Sie nur, es habe gelogen? Dann hätten Sie fast alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.

Unser eben genannter Fall ist für viele ähnliche Episoden, die uns geschildert wurden, typisch. Folgendes hat sich nämlich abgespielt: Unser Schüler setzt sich hin, liest die Vokabeln ein paarmal durch, hält dann die Spalte mit den englischen Wörtern zu, fragt sich selbst ab und zufrieden mit einer Erfolgsquote von - sagen wir - 90% geht er beruhigt spielen. Was - glauben Sie - wird er empfinden, wenn man ihn der Faulheit, oder gar der Lüge bezichtigt? Dazu trägt auch die ständige Aufforderung der Lehrer bei, schaut euch bis zum nächsten Mal die Vokabeln an. “Anschauen” reicht in der Regel nicht aus, um die Schreibweise neuer Vokabeln sicher zu beherrschen.

Er hat gelernt, nach seiner Überzeugung sogar ausreichend genug, er hat sich ja immerhin auch selbst abgehört! Sie finden, das reicht nicht? Da haben Sie völlig recht, aber haben Sie das schon jemals Ihrem Kind entsprechend vermittelt? Wenn Sie hier Bedenken haben, sollten Sie bei unserer Selbsthilfe nachlesen.

Das trifft in Ihrem Fall nicht zu? Ihr Kind weiß genau, was es hätte machen müssen und über das WIE haben Sie auch schon ausführlich gesprochen?

Wenn die bisher genannten Punkte nicht zutreffen und Sie nach wie vor der Meinung sind, es sei faul, dann finden Sie entweder weitere Informationen unter dem Punkt Erwartungshaltung oder Sie müssen sich mit der ganzen Palette “psychische Probleme” auseinandersetzen! Diese von Ihnen so gesehene Faulheit kann ein Hilferuf sein, mit dem Ihr Kind unbewußt auf seine Probleme aufmerksam machen möchte.

Vielleicht wird es von familiären Problemen (Streit zwischen den Eltern, Trennungsängsten) so sehr beeinflußt, daß die Anforderungen für die Schule ganz in den Hintergrund treten. Sehr oft werden die Kinder in einer Art Partnerersatz-Rolle mit den Problemen eines Elternteiles überfordert! Oder es hat einfach Probleme, die Sie bislang schlichtweg übersehen haben?

Abschließend ist noch auf einen wichtigen Punkt hinzuweisen: Wenn Sie früher, vor Beginn der Schulzeit, Ihr Kind als sehr schlau, pfiffig, allen Aufgaben gewachsen, eingestuft hatten und jetzt enttäuscht feststellen, daß es den Erwartungen bei weitem nicht gerecht wird, daß es nicht aufpaßt, faul oder vielleicht überfordert erscheint, dann sollten Sie in Betracht ziehen, ob es nicht vielleicht UNTERfordert ist - es wäre nicht das erste Kind, das auf diese Weise reagiert!

 

Merke: Faulheit ist keine Krankheit und sollte uns auch keine Rätsel aufgeben. Wenn es sich wirklich um Faulheit handelt, so ist sie zunächst einmal Ausdruck einer inneren Protesthaltung, die sich vielleicht sonst nicht anders zu artikulieren weiß, oder weil alle Versuche, auf die eigenen Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, gescheitert sind.

Gehen Sie nicht auf Konfrontationskurs, versuchen Sie die Hintergründe zu erkennen und zeigen Sie Verständnis!

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Wir empfehlen folgende Seiten: www.allergie-immun.de - www.familie.de - www.trotzalter.de - www.elterntreff-online.de - www.babylinks.at - www.die-sprachlose-familie.de - www.paarkommunikation.pflugweb.de - www.dreimonatskolik.de

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