Mein Kind hat Probleme, die mir unbekannt sind
Wenn Ihr Kind Ihnen unbekannte Probleme hat, sollten Sie - wie eigentlich immer - verständnisvoll reagieren. Je älter die Kinder werden, desto seltener lassen sie ihre Eltern an ihren Sorgen teilhaben. Das ist aber kein Naturgesetz, sondern ein Verhalten, entstanden aus der Erfahrung im Alltag. Die meisten Menschen neigen dazu, das, was sie beschäftigt, anderen mitzuteilen. Entsprechend der Aufnahme, die diese Mitteilungen bei der Gegenseite finden, verhält sich dieser Mensch in Zukunft: Wenn ich einer Freundin unter dem Siegel der Verschwiegenheit etwas mitteile, und am nächsten Tag weiß es die ganze Schule, werde ich ihr gegenüber nichts mehr verlauten lassen! Und wenn ich meiner Mutter etwas erzähle und sie macht mir deswegen ein Riesentheater, erzähle ich eben in Zukunft nichts mehr!
Für die Eltern ist die ganze Sache natürlich nicht so einfach. Sie wissen auf Grund ihrer Lebenserfahrung, daß nicht alles so leicht genommen werden kann wie die Jugend meint, und daß manche ihrer Vorhaben schlichtweg gefährlich sind, usw. usf. Da aber die meisten Kinder so kompromißlos reagieren wie oben skizziert, bleibt den Eltern - wollen sie nicht ganz vom “Informationsverteiler” ihrer Kinder gestrichen werden, nur übrig sich zurückzuhalten. Schimpfen, sich aufregen, toben, strafen, all das muß tabu sein!
Denken Sie an Ihre eigene Kindheit und Jugend - wie hätten Sie’s denn damals gerne gehabt?! - Seien Sie verständnisvoll, hören Sie vor allem genau zu, damit Sie wirklich verstehen, worum es geht! Schließen Sie Kompromisse, machen Sie ein Geschäft mit Ihrem Kind (wenn ich Dir das erlaube, mußt Du aber jenes für mich tun). Und lassen Sie sich vor allem nicht darauf ein, spontan etwas zu verbieten, was Sie dann (wie die Erfahrung lehrt) letztendlich doch erlauben. Geben Sie Ihrem Kind in gewissen Situationen das Gefühl, gleichberechtigter Partner zu sein, es wird doch Kind bleiben - aber es wird Ihr Entgegenkommen schätzen lernen!
Natürlich können Sie auch mit diesen Vorschlägen nicht ein jahrelang zerrüttetes Verhältnis von heute auf morgen in Ordnung bringen - aber Sie können einen Anfang machen, der Sie dahin führen wird, eine vertrauensvolle Basis zu schaffen.
Da wir aber im Moment noch nicht auf diesem Stand sind, müssen wir uns dieser unbekannten Probleme annehmen. Es könnte vergleichsweise harmlos sein wie ein Streit mit der besten Freundin/dem besten Freund, bei Heranwachsenden ist Liebeskummer häufige Ursache, es könnte natürlich auch Mobbing sein. Ganz abhängig von Ihrem Verhältnis zu Ihrem Kind können Sie versuchen, es direkt auf mögliche Sorgen anzusprechen, vielleicht hilft auch eine Rückfrage im Freundeskreis, wenn uns die Situation dramatisch genug erscheint. Vielleicht - und das sollten Sie sich auch überlegen - sind Sie und Ihr Verhalten der Schlüssel zu den unbekannten Problemen Ihres Kindes?!
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Merke: Die einfachste Lösung ist immer die, Probleme überhaupt nicht erst entstehen zu lassen. In unserem Fall hieße das, von Anfang an ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinem Kind aufzubauen.
Nachdem aber davon auszugehen ist, daß bei den Lesern dieser Seite das “Kind bereits in den Brunnen gefallen” ist, bleibt im aktuellen Fall nur die Empfehlung, menschliche Größe zu zeigen und mit dem Sohn oder der Tochter ein offenes Gespräch zu führen, bei dem - mit Geduld und Verständnis für das berechtigte Mißtrauen des jugendlichen Gegenübers - die eigenen Fehler offen zugegeben werden, ohne auf die Versäumnisse unseres Kindes einzugehen. Vertrauen, das man zerstört hat, kann man nicht durch Gegenrechnen wieder aufbauen. Es wird ein langwieriger Prozeß werden....garantiert. Und es liegt an Ihnen, ob Sie Erfolg haben.
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