Deutsch
Hier finden Sie unsere Deutsch-Tipps, die wir nach und nach erweitern werden. Manche dieser Tipps hören sich etwas banal an, aber sie haben den Vorzug, daß sie sich über Jahre hinweg bewährt haben!
Für Kinder mit Legasthenie oder ADS ist ein multisensorisches Lernen sehr hilfreich. Rechtschreiberegeln kommen bei ihnen nicht gut an, sie können sie nicht verinnerlichen. Besonders verwirrend und frustrierend empfinden die Kinder vor allem bei Regeln, daß es viele Ausnahmen gibt - und wieder ist es ein Fehler geworden!
So wird z.B. immer auf den Infinitiv verwiesen: kennen - kannte, rennen - rannte, brennen - brannte. Und die betroffenen Kindern folgern dann - vermeintlich logisch - bei “kommen” eben “kamm”! Die Erklärung daß “kam” mit Doppel-m ja wie der Kamm zum Frisieren ausgesprochen würde, ist für sie eben keine ausreichende Erklärung.
Merk-Geschichtchen: Bei einem Spaziergang pfiff ein Mann seinen Hund herbei, er pfiff und wartete und pfiff wieder, aber kein Hund erschien. Endlich, nach langer Zeit kam der Hund langsam herbei gehumpelt - er hatte sich an einer Pfote verletzt und lief auf drei Beinen (“m” hat 3 Beinchen!). Sie können dazu das Wort “kam” ein paar Zentimeter groß auf’s Papier malen und an das “m” oben rechts einen Hundekopf. Dadurch wird das Wort kam mit dem Hund verknüpft, der auf drei Beinen lief!
Zur Phantasie-Anregung noch ein paar Hilfen für Wörter, die bei der Fehleranalyse unserer Erfahrung nach ganz oben auf der Liste stehen:
Im Buchstaben “h” kann unser Kind einen Stuhl sehen: h, der in vielen kleinen Merk-Geschichten eine wichtige Rolle spielen wird.
- verlieren - verloren (Obwohl bei Letzterem das “o” lang gesprochen wird, wird es nicht mit einem Dehnungs-h geschrieben, wieder eine Ausnahme von der Regel)
Merk-Geschichtchen: Ein Mann verwettete sein ganzes Hab und Gut, es blieb ihm nicht einmal ein einziger Stuhl, auf den er sich hätte setzen können. Er verlor alles. Seine Frau jammerte: “Mußtest du denn alles verlieren?” .... Kein Stuhl, kein “h”!
- frieren - gefroren
Merk-Geschichtchen: Der alte Eskimo erzählt: Der letzte Winter war so kalt, ich konnte mich nie auf einen Stuhl setzen, weil ich so gefroren habe, daß ich mich ständig bewegen mußte - wer will schon immer frieren? .... Kein Stuhl, kein “h”!
- geboren
Merk-Geschichtchen: Als das Jesus-Kind geboren war, knieten Maria und Josef im Stall, sie waren arm und hatten keinen Stuhl. .... Kein Stuhl, kein “h”!
- holen
Merk-Geschichtchen: Wer etwas holen will, der muß aufstehen und sich bewegen, er kann also nicht auf seinem Stuhl sitzen bleiben. .... Kein Stuhl, kein “h”!
- Maler und malen
Merk-Geschichtchen: Zeigen Sie Ihrem Kind ein Bild einer Staffelei mit einem Maler davor, wie er gerade ein Bild malt. Der Maler steht vor seiner Staffelei und benutzt keinen Stuhl wenn er malt. .... Kein Stuhl, kein “h”!
Aber:
- mahlen
Merk-Geschichtchen: Zeichnen Sie mit Ihrem Kind eine Getreidemühle - um das Korn zu mahlen, wird es oben hineingeschüttet - und unten muß man den Sack, in den das Mehl fällt, auf einen Stuhl stellen, damit nicht alles daneben geht! ...man braucht den Stuhl, man braucht das “h”!
- Mahlzeit
- Merk-Geschichtchen: Bei der Mahlzeit soll man auf einem Stuhl sitzen. ...man braucht den Stuhl, man braucht das “h”!
- bohren - Bohrmaschine
Merk-Geschichtchen: Um mit der Bohrmaschine ein Loch oben in die Wand oder in die Decke zu bohren, muß man sich auf einen Stuhl stellen
...man braucht den Stuhl, man braucht das “h”!
- Höhle - hohl
Merk-Geschichtchen: In einer klitzekleinen hohlen Höhle sitzt ein klitzekleiner Zwerg auf einem klitzekleinen Stuhl - was soll er sonst machen?
...man braucht den Stuhl, man braucht das “h”!
- viel - fiel
Merk-Geschichtchen: Schreiben Sie das “v” in Schreibschrift so auf ein Blatt, daß es wie ein vollgefüllter Sack mit leichter Öffnung nach oben aussieht. Daneben das “f” ebenfalls in Schreibschrift. Nun lassen Sie Ihr Kind das “v” und das “f” innen ausmalen - es wird dabei merken, daß bei “viel” viel reinpaßt!
Zusätzlich kann man noch erklären, daß bei “fiel” (in Schreibschrift natürlich!) der untere Teil des “f” in den Keller gefallen sei.
Diese Merkgeschichten dürfen natürlich nicht alle an einem Tag erzählt werden. Nützen Sie die Gelegenheit, wenn Sie mit Ihrem Kind lernen, daß Sie immer dann, wenn es einen entsprechenden Fehler macht, das passende Geschichten bei der Hand haben. Auch hier gilt: Erst die mehrfache Wiederholung bringt den Lerneffekt! Wenn Ihr Kind die Geschichtchen weiterspinnen oder ausschmücken möchte, dann gehen Sie darauf ein - alleine die Beschäftigung mit den Zusammenhängen zwischen Merkhilfe und richtiger Schreibweise bringt mehr, als ein paar Wiederholungen von Ihnen!
Buchstaben - Blindekuh - Spiel
Bei Legasthenie kann es auch unter Einhaltung der neuen Ernährungsweise anfangs nötig sein, den Schreibverlauf von Buchstaben zu festigen.
Sticken Sie mit Wolle die kritischen Buchstaben (meistens ist die Schreibschrift unsicher) auf ein DIN A 4 Blatt - pro Blatt ein Buchstabe. Mit verbundenen Augen lassen Sie Ihr Kind tasten. Es soll erst mit mehreren Fingern das Blatt befühlen und selbst einen Anfang finden. Wenn es gar nicht geht, einen Finger an den Buchstabenanfang führen. Nach mehrmaligem Nachfahren den Buchstaben benennen lassen. Das Kind kann versuchen, den Buchstaben vom Fühlen her blind auf ein Blatt zu schreiben. Versuchen Sie es selbst auch, oder machen Sie es generell abwechselnd.
Wenn es noch zu schwierig ist, die Augenbinde abnehmen und sehenden Auges schreiben lassen. Das Spiel eignet sich auch gut für eine ganze Gruppe von Kindern, wobei dann aber vorher bekannt sein muß, daß alle etwa gleiche Fähigkeiten haben, um Frust auf jeden Fall zu vermeiden.
Sie können mit Ihrem Kind auch Botschaften austauschen, indem Sie sich diese gegenseitig mit den Fingern auf den Rücken schreiben. Außer einem Herz oder Kreis oder Ausrufezeichen nur einzelne Buchstaben oder Zahlen vereinbaren!
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